The one and only

Jeff Bezos. Jack Maar. Christine Lagarde. Sie alle sind Menschen, denen wir herausragende und außergewöhnliche Leadership Skills zuschreiben. Mächtige Personen, die an der Spitze großer Unternehmen stehen oder hochrangige politische Ämter bekleiden. Als Vorbilder agierend tragen sie große Führungsverantwortung, treffen wichtige Entscheidungen, verteilen Aufgaben und Projekte. Wenn wir an Leader:innen denken, tauchen ihre Bilder automatisch in unseren Köpfen auf. Bilder dieser einen, unerschütterlichen Person, die die Richtung vorgibt und Team sowie Unternehmen durch jede Krise manövriert. Diese eine Person, ohne die quasi nichts geht, weil letztlich doch immer eine:r die Endverantwortung tragen muss…
Oder vielleicht doch nicht?

Was wäre, wenn…?
Ein kleines Gedankenexperiment: Was wäre, wenn nicht eine, sondern mehrere Personen sich diese Verantwortung teilen würden? Was wäre, wenn Führung nicht eine konsequente One-Person-Show wäre, sondern Führungsaufgaben und Verantwortlichkeiten bei mehreren Teammitgliedern liegen und gemeinschaftlich getragen würden?

 

Was bedeutet Shared Leadership?

Shared Leadership bedeutet im Prinzip exakt das, was der Name vermuten lässt: Führungsaufgaben werden bei diesem Ansatz nicht von nur einer Person, sondern von einem Team wahrgenommen. In diesem Team können alle Personen Führungsrollen übernehmen und sich kollektiv – und vor allem gegenseitig – führen. 

In einer weiteren Variante des Shared-Leadership-Prinzips nehmen auch mehrere Teammitglieder Führungsrollen wahr. Bei dieser zweiten Form wird jedoch zusätzlich berücksichtigt, ob es zur Entwicklung eines echten Einfluss-Prozesses gegenüber anderen Teammitgliedern kommt. Die entscheidende Frage hier ist also, ob sich aus dem Plus an Führungsverhalten auch eine sogenannte Shared Followership ergibt und Personen in einem Team sowohl Leader:innen als auch Follower:innen sein können.

 

Die Vorteile von Shared Leadership

Weil mehrere Personen gemeinsam die Führung übernehmen, kommt es im Team automatisch zu Vielfalt und Unterschiedlichkeit in Bezug auf Ideen und Lösungsansätze. Je nach Anforderung oder Aufgabe geben die Leader:innen Führung ab oder übernehmen diese. Die Verantwortung liegt also bei allen Personen gleichermaßen. So wird automatisch sichergestellt, dass das Team an einer gemeinsamen Vision arbeitet und sich gemeinsame Ziele setzt. Inspiration und Motivation kommen aus dem heterogenen Team selbst. 

So weit, so idyllisch. 

 

Wer bereits so arbeitet

Als Leader:in gleichzeitig Follower:in zu sein und die Gruppe als Ganzes in den Vordergrund zu stellen mag im ersten Moment vielleicht ein wenig utopisch klingen, ist jedoch in vielen Organisationen bereits gang und gäbe. Besonders Start-ups, oder auch kollaborative interorganisationale Netzwerke, wenden bereits vielfach das Prinzip der Shared Leadership an.

Agilität, Digitalisierung und New Work sind Prozesse und Phänomene, die hierarchische Strukturen, wie wir sie bisher kannten, immer mehr in Frage stellen. Unternehmen von heute bewältigen komplexe Aufgaben und etablieren vielschichtige Prozesse. Besonders in punkto Innovation und im Hinblick auf heterogene Teams kann Shared Leadership eine Ergänzung zu klassisch hierarischen Strukturen sein – oder diese sogar gänzlich ablösen. Denn Führungsaufgaben auf mehrere Personen oder ein Team zu verteilen, kann jedenfalls dazu beitragen, dass Mitarbeiter:innen zufriedener werden oder Konflikte im Unternehmen abnehmen. Aufgrund der wechselnden Perspektive zwischen Leader:in und Follower:in kann sich das Shared-Leadership-Prinzip außerdem positiv auf den Teamzusammenhalt und die Kooperationsbereitschaft auswirken.

 

Bist du bereit zu teilen?

Der Shared-Leadership-Ansatz ist per se dynamisch und verlangt daher auch eine regelmäßige Neubewertung, Anpassung und Adaptierung an die unternehmerischen Gegebenheiten. Der Ansatz ermöglicht Flexibilität, setzt diese jedoch auch von den Leader:innen voraus, und muss sich entsprechend entwickeln. Einfach mehrere Führungskräfte zu einem neuen Team zusammenzuwürfeln macht noch keine Shared Leadership. 

Shared Leadership im Unternehmen zu etablieren ist dementsprechend kein Projekt, das von heute auf morgen umsetzbar ist. Dafür braucht es Planung, eine sensible Anpassung der Organisationskultur, eine umsichtige Begleitung des Prozesses und vor allem das Commitment und passende Mindset aller Beteiligten.

 

Zusammenfassend lässt sich jedoch eines sagen: Shared Leadership liegt im Trend – und bietet großes Potenzial hinsichtlich komplexer Aufgaben und vielschichtiger Prozesse. Shared Leadership kann also definitiv als Wegbereiter für neue Formen von Leadership gesehen werden. 

Und du… bist du bereit, Führungsverantwortung zu teilen? Schreib uns gerne, wenn du Unterstützung bei der Umsetzung suchst!