By Verena SebestikIn Culture30.03.2022

Warum wir alle ein „Geht nicht, gibt’s nicht“-Mindset brauchen

„Aber das funktioniert doch nicht“. Es ist wahrscheinlich die häufigste Antwort, die wir als Reaktion zu unseren Ideen und Vorschlägen hören. Die Frage ist nur: Haben wir tatsächlich so utopische Vorstellungen? Oder hat unser Gegenüber ein fixed Mindset und ist einfach nicht offen genug für Veränderung?

 

Damals, als alles möglich war

Als Kinder lernen wir, dass wir alles werden können, und schreiben in Freundschaftsbücher unsere Traumberufe: Astronaut:in, Profi-Skifahrer:in, Briefträger:in oder Zuckerbäcker:in. Die Welt steht uns offen, niemand setzt unseren Visionen ein Limit. Wenn unsere Eltern Hausarbeit oder handwerkliche Dinge erledigen, fragen sie stets, ob wir ihnen helfen können. Steigen wir unabsichtlich auf das zu lange Faschingskostüm und der Stoff reißt, wird uns versichert, dass es eine Lösung gibt. Wenn wir uns ein Baumhaus wünschen und kein Platz ist, wird das Wohnzimmer zu einem Schloss aus Kissen umfunktioniert. Kurz gesagt: Als Kinder wachsen wir mit dem idealen Mindset auf – alles scheint möglich zu sein!

 

Vielen Dank für deinen Input, aber…

Zugegeben, als Erwachsene:r ist die Illusion dahin und uns ist klar, dass unsere Eltern das Mehl selbst abwiegen hätten können. Trotzdem haben sie uns dazu angeregt mitzudenken und das Funkeln in unseren Augen gesehen, wenn wir etwas geschafft haben. Als Leader:in ist es natürlich nicht ganz so einfach. Immerhin haben es Leader:innen nicht mit Kindern, sondern mit eigenständigen, erwachsenen Menschen zu tun. Aber warum lassen wir Kinder in eine nahezu grenzenlose Welt eintauchen, die ihre Inputs und Unterstützung braucht, und lehnen die Vorschläge von Kolleg:innen oftmals ohne einen ernsthaften Blick darauf ab? Unsere Kolleg:innen können immerhin mit einer Ausbildung, individuellen Erfahrungen und Wissen aufwarten – und sind damit theoretisch die richtigen Ansprechpartner:innen, wenn es um Neuerungen, Ideen und Lösungsfindung geht. Und das richtige Mindset haben auch, und gerade, sie.

 

Geht es wirklich nicht?

Viel wichtiger, als lang und breit darüber zu philosophieren, warum unser eigenes Mindset und das vieler Führungskräfte vielleicht nicht das richtige ist, ist es etwas dagegen zu tun. Wenn junge Kolleg:innen regelmäßig neue Gedanken einbringen, die sie im Studium oder bei einer Keynote aufgegriffen haben, sollten wir sie nicht als naiv oder übermotiviert bezeichnen. Kolleg:innen, die das Unternehmen seit Jahren kennen und nun Prozessoptimierungen vorschlagen, wollen sich nicht einfach nur wichtig machen. Diese Menschen bringen sich ein und haben ein echtes Interesse daran, die Organisation, die Zusammenarbeit und letztendlich die Zielerreichung positiv zu beeinflussen. Wir sollten unsere Kolleg:innen dementsprechend als „Intrapreneure“ sehen und ihr unternehmerisches und innovationsorientiertes Verhalten schätzen: indem wir unser Mindset ändern, offen gegenüber neuen Themen sind, zuhören, evaluieren und Ideen nicht sofort ablehnen. Ganz nüchtern betrachtet zeigen die „Intrapreneure“ Proaktivität und können bei der Planung oder Umsetzung mit viel Motivation unterstützen – wodurch auch die Ressourcen der Führungskraft geschont werden. 

 

Es gibt immer eine Lösung

Die Corona-Pandemie beschäftigt uns nun seit mehr als zwei Jahren und es gibt nach wie vor Unternehmen, die sich gegen Home Office und Digitalisierung in der Zusammenarbeit wehren. „Das geht doch nicht!“, denn „Mitarbeiter:innen im Home Office arbeiten nicht“ und „digitale Zusammenarbeit funktioniert nicht“. Damit sind wir sehr weit von einem sogenannten Growth Mindset entfernt und beschränken uns auf das Gewohnte und Bekannte. Natürlich ist die Umstellung nicht einfach und es braucht entsprechende Home-Office-Ausstattung, Tools zur digitalen Zusammenarbeit und vieles mehr. Aber all diesen Aufwänden stehen viele positive Aspekte gegenüber. Die Quintessenz dieses Beispiels ist, dass es für jede Herausforderung mindestens eine Lösung gibt. Wenn das Mindset passt. Dafür braucht es Offenheit und das Verständnis, dass jede Veränderung diverse Ressourcen benötigt, aber zu einer nachhaltigen Verbesserung führen kann. 

 

Geht nicht? Gibt’s nicht!

Im Blogpost „Bye-bye, Pandemie-Blues! Warum jetzt der Zeitpunkt ist zu handeln“ haben wir beschrieben, dass es absolut keinen Grund dafür gibt Dinge weiterhin aufzuschieben – und es Zeit wird uns den Challenges der Corona-Pandemie zu stellen. Die Pandemie bringt mittlerweile kaum noch Überraschungseffekte mit sich und wir können uns nun auch endlich jenen Themen widmen, die die letzten zwei Jahre hinten anstehen mussten: Prozessoptimierungen, Produktentwicklungen, bewusst Werte und Vision überarbeiten oder auch (digital) als Team zu wachsen. Also, raus aus der „Geht nicht“-Falle. Arbeite an deinem Mindset und mach dich daran, die wichtigen Themen anzugehen: Kreiere eine Vision, binde Kolleg:innen aktiv ein und setze motivierende, realisierbare Schritte, wie beispielsweise mit OKRs. Wo auch immer der Schuh drückt, wir können dir eines versprechen: Geht nicht, gibt’s nicht! Und wenn es dann funktioniert hat, wirst auch du ein Funkeln in den Augen haben.