Versetzen wir uns doch kurz für einen Moment in unsere Schulzeit zurück: Wurdest du eher in den Fächern gefördert, in denen du ein “Sehr gut” im Zeugnis hattest und mit Freude und Motivation bei der Sache warst oder in den Bereichen, wo du eher hinterher gehinkt bist? 

 

In den meisten Fällen stand bei den schlechteren Ergebnissen Nachhilfe auf der Tagesordnung, während die guten Leistungen eher seltener weiter gefördert wurden. Die Energie wurde für das Ausmerzen der Schwächen verwendet, was per se nicht verkehrt ist, um auch hier gute Noten zu erzielen, aber die Frage bleibt: Was wäre wohl gewesen, wenn unsere Stärkenbereiche mehr gefördert worden wären? Welche Potentiale hätten wir wohl entfachen können? 

 

Der Wandel zur Stärkenorientierung

In der Psychologie stellt sich prinzipiell die Frage „Was stimmt mit den Menschen NICHT und wie können wir das Defizit beheben?“, doch Don Clifton und Martin Seligman fragten sich „was passiert, wenn wir uns damit beschäftigen, was mit den Menschen STIMMT?“ und gelten als Gründer der Positiven Psychologie. In weiterer Folge entwickelte sich daraus die Stärken-Philosophie, die die These aufstellte, dass Individuen viel mehr erreichen können, wenn sie sich auf den Ausbau ihrer Talente konzentrieren, als wenn sie dieselbe Zeit dafür aufwenden, ihre Schwächen zu neutralisieren. 

Wir empfehlen dir dazu das Buch „Flourish – Wie Menschen aufblühen: Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens“ von Prof. Dr. Martin Seligman.

 

Umso wichtiger ist es, dass wir diese Erkenntnis in unseren Arbeitsalltag einfließen lassen, denn wissenschaftlichen Forschungen zufolge ist die emotionale Bindung an ein Unternehmen stärker und die Produktivität höher, wenn Menschen Stärkenorientierung im Beruf erfahren. Lass uns den ersten Schritt setzen: Kenne ich die Stärken meiner Kolleg:innen und Mitarbeiter:innen? Weiß meine Führungskraft eigentlich, was ich wirklich gern und gut mache?

 

Willkommen in der Stärkenzone

Mit der Stärkenzone ermöglichen wir Mitarbeiter:innen Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu übernehmen, die ihren Stärken und Interessen entsprechen. Natürlich ist es nie möglich nur jene Dinge zu tun, die einem Freude bereiten, doch schafft das Konzept der Stärkenzone ein Bewusstsein dafür, wie Mitarbeiter:innen bestmöglich eingesetzt werden können.  

Mit den folgenden Fragen kannst du für dich (oder mit deinen Mitarbeiter:innen) herausfinden, wie es um die Stärkenzone steht:

  • Welche Art von Aufgaben finde ich spannend, wozu fühle ich mich natürlich hingezogen?
  • Welche Art von Aufgaben erlerne ich besonders schnell?
  • Bei welchen Aufgaben bin ich in einem Flow Gefühl? (Ich vergesse Zeit und Raum, die Tätigkeit geht wie von selbst von der Hand.)
  • Welche Aufgaben gelingen mir ohne nachzudenken hervorragend und ich fragte mich im Nachhinein schon öfters, wie ich das wohl geschafft habe?
  • Welche Aufgaben geben mir eine tiefe innere Erfüllung / ein Glücksgefühl, wobei ich mich bereits freue diese oder eine ähnliche Aufgabe erledigen zu können? 

 

Nimm diese Fragen als Vorbereitung für dein nächstes Mitarbeiter:innen-Gespräch mit bzw. teile sie offen mit deinem Team. Dies zeigt einerseits, dass du als Leader:in ein echtes Interesse daran hast deine Teamglieder ihren Stärken entsprechend einzusetzen und die Aufgaben richtig zu verteilen. Andererseits ist es für die Personen selbst eine gute, spannende Übung die eigene Tätigkeit zu reflektieren und vielleicht durch kleine oder größere Adaptionen den Fokus wieder richtig zu setzen. Mit der Stärkenorientierung werden Mitarbeitende motiviert und können ihre Potentiale und Talente zukünftig noch besser einbringen. – Das gilt natürlich auch für dich und deine Führungskraft: Ergreife einfach die Initiative und bringe das Thema bei eurem nächsten One-on-One ein.

3-2-1-Stärkenorientierte Führung

Bist du bereit zukünftig den Fokus auf die Stärken zu legen, Talente zu erkennen, Potentiale zu fördern und mehr Motivation in den Arbeitsalltag zu bringen? Perfekt, denn wir können dir jetzt schon versprechen: es zahlt sich aus! Hier haben wir dir die Benefits von stärkenorientierter Führung zusammengefasst:

  • Gelingt es dir als Leader:in, die Stärken deiner Mitarbeiter:innen mit den Anforderungen der Jobs zur Deckung zu bringen, so resultiert daraus eine sehr hohe Eigenmotivation der Mitarbeiter:innen. Es ist letztlich einfach: Wenn wir das tun, was uns leicht von der Hand geht und uns Energie gibt, gehen wir engagiert und zielstrebig ans Werk.
  • Mitarbeiter:innen, die ihre Stärken zur Entfaltung bringen können, erbringen sehr viel bessere Leistungen als jene, die sich bei bestimmten Aufgaben schwer tun, weil sie entweder nicht über das nötige Talent oder die entsprechenden Fähigkeiten verfügen.
  • Stärkenorientierte Führung erfordert auf lange Sicht wesentlich weniger Kraft und Zeit. Durch die intrinsische Motivation der Mitarbeiter:innen muss die Führungskraft viel weniger Zeit damit verbringen, das Team durch Steuerung zu besseren Leistungen zu führen. Im Gegenteil, das selbstverantwortliche Handeln der Mitarbeiter:innen wird enorm gestärkt.

 

In diesem Sinne: Let’s put our strengths in focus!